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Henstedt-Ulzburg | Aktuell

Bürgermeisterwahl 2020: Stefan Bauer tritt nicht erneut an

Henstedt-Ulzburg (sw) Über die sozialen Medien gab Bürgermeister Stefan Bauer am Dienstagabend, 17. Dezember, bekannt, dass er nicht zu einer weiteren Amtszeit als Bürgermeister in Henstedt-Ulzburg antreten wird. Seine Rede finden Sie hier:

„Sehr geehrter Herr Bürgervorsteher,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte mich bei Ihnen für die Rückmeldungen auf mein Schreiben mit Blick auf die Bürgermeisterwahl im kommenden Jahr bedanken. Die positiven Reaktionen aus unterschiedlichen Richtungen haben mich sehr gefreut. Das vielfältige Feedback hat mir die beabsichtigte Klärung der politischen Stimmungslage geliefert.

Ich weiß, dass ich einen ungewöhnlichen Schritt gegangen bin, der einige von Ihnen verunsichert oder auch irritiert hat. Die unterschiedlichen Rückmeldungen aus Ihren Reihen, der örtlichen Politik, insbesondere natürlich aus der Bevölkerung Henstedt-Ulzburgs, wie aber auch z.B. von Amtskollegen umliegender Kommunen haben mich in meinem Vorgehen bestätigt und gestärkt. Mein Schreiben hat offenkundig das ausgelöst, was ich mir erhofft habe: eine Klärung meines Rückhalts sowohl bei den Fraktionen, als auch bei den Bürgerinnen und Bürgern sowie im politischen Umfeld.

Einmal mehr habe ich eine erhebliche Diskrepanz meiner Reputation hier in der Gemeindevertretung auf der einen Seite und in unserer Einwohnerschaft auf der anderen Seite festgestellt.

Ein maßgeblicher Teil von Ihnen, den Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertretern Henstedt-Ulzburgs, ist mir gegenüber kritisch bis ablehnend eingestellt und verhält sich auch so in der täglichen Zusammenarbeit. Das bedaure ich sehr, zeigt es mir doch, dass ich mein Ziel – mit Ihnen allen gemeinsam weiterzukommen – nicht in dem Umfang erreicht habe, den ich mir für die Amtszeit zum Ziel gesetzt hatte.

Diese Erkenntnis bestätigt auch ein Blick in die Historie Ihrer offiziellen Erklärungen, Pressemitteilungen oder anderer an die Henstedt-Ulzburger Bevölkerung gesendeten Botschaften der vergangenen 5 ½ Jahre. Nach Worten der Anerkennung und Wertschätzung für meine Arbeit und die meines Teams in unserer Verwaltung sucht man dort leider nahezu vergeblich.

Nun bin ich aber überzeugt davon, dass ein solides Maß an Grundvertrauen unerlässlich für eine dauerhaft konstruktive Zusammenarbeit ist – ganz gleich, in welcher Konstellation man miteinander Verantwortung trägt. Ein solches Maß an Vertrauen sind wir miteinander unseren Bürgerinnen und Bürgern gegenüber schuldig!

Bei allem, was wir Tag für Tag bewegen, muss es immer und einzig und allein um das Wohl Henstedt-Ulzburgs gehen. Um das Beste für unsere Gemeinde, für die Menschen in unserem Ort. Niemals darf es um unsere Befindlichkeiten miteinander gehen.

Ich meine, in den vergangenen Monaten im Umgang von Politik und Verwaltung erste positive Veränderungen erkannt zu haben. Dies könnte man als zartes Pflänzlein sehen. Sollte dem so sein, stimmt mich das mit Blick auf die Zukunft Henstedt-Ulzburgs hoffnungsvoll. Unserer Gemeinde wünsche ich, dass dieses Pflänzlein prächtig gedeiht. Offen möchte ich Ihnen aber auch meine Skepsis kundtun, dass die ersten Anzeichen bereits auf den Willen zu nachhaltiger Veränderung oder gar Bereitschaft zu einer Zäsur rückschließen lassen. Zu ambivalent sind derzeit noch meine Erfahrungen im Alltag.

Vor 5 ½ Jahren bin ich mein Amt als bereits im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit von der Bevölkerung gewählter hauptamtlicher Bürgermeister angetreten. Meinen damit verbundenen Führungsanspruch verstehe ich bis heute als Mix aus Engagement, Dialog, Überzeugungsarbeit, Mitnahme aller Beteiligter und Interessen, Erkennen von Spielräumen sowie Entscheidungsstärke. Als Vorteil empfinde ich bis heute, parteipolitisch ungebunden agieren zu können. Meine Rolle sehe ich im besten Sinne als neutral an, dem Gleichbehandlungsgrundsatz verpflichtet, als die eines klaren, verlässlichen Lenkers und Kommunikators. Mit diesem Rollenverständnis diene ich der Bevölkerung Henstedt-Ulzburgs vom ersten bis zum heutigen Tage meiner Amtszeit.

Leider ist mein Eindruck, dass ein Teil von Ihnen mit diesem Ansatz nicht einverstanden ist. Dass ich diesen Teil habe nicht erreichen können, bedaure ich. Vor diesem Hintergrund bin ich glücklich und stolz, dass es uns auf Basis unterschiedlicher Mehrheiten gelungen ist, gewaltige Aufgaben miteinander - für unsere Gemeinde – überzeugend gelöst zu haben. Und Henstedt-Ulzburg steht vor vielen weiteren großen Herausforderungen:

• Eine tiefgreifende Verwaltungsreform steht an – inkl. Einführung von Doppik, Digitalisierung und weiteren Veränderungsprozessen.
• Das Integrierte Gemeindeentwicklungskonzept muss fertiggestellt und umgesetzt werden.
• Die Erfordernisse eines erhöhten Klimaschutzes müssen bedient, ein Klimaschutzkonzept eingeführt werden.
• Wir wollen und müssen mindestens 500 geförderte neue Wohnungen realisieren.
• Das Radwegenetz und den ÖPNV verlangen nach Ausbau und Optimierung.

Diese beispielhafte Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Für die erfolgreiche Bewältigung dieser Aufgaben bedarf es außer einer möglichst unbelasteten Zusammenarbeit aller Mitwirkenden deren uneingeschränkte Motivation und nicht zuletzt auch eine ungetrübte Freude an der gemeinsamen Arbeit. Die Bedeutung dieses Zusammenspiels, wurde mir in meinem Arbeitsleben immer wieder aufs Neue bewusst.

Die Arbeit unserer Verwaltung schätze ich sehr, dort sind alle motiviert, gute Arbeit abzuliefern und an erster Stelle ein guter Servicedienstleister für unsere Bürgerinnen und Bürgern zu sein. Ich bin stolz auf ein tolles, gut funktionierendes und eingespieltes Team. Eines, das personell aber leider noch nicht über die Ressourcen verfügt, um den Anforderungen aus der Politik zu jeder Zeit vollends gerecht werden zu können. So leistet meine Mannschaft Tag für Tag Außerordentliches, um nach Möglichkeit auch das zu erfüllen, wofür die Stärke der Belegschaft eigentlich gar nicht reicht.

Trotz der Freude über dieses tolle Engagement ist der Freude an der Zusammenarbeit zwischen Ihnen und mir unser kritik- und konfliktbehaftetes Miteinander leider nicht zuträglich. Da mache ich aus meinem Herzen keine Mördergrube.

Stets habe ich alles gegeben, was mir möglich war – nach bestem Wissen und Gewissen. Bis zu 80 Stunden die Woche bin ich im Einsatz – und jede Stunde war ist wert. Allerdings gehört zur Wahrheit auch, dass ich dafür einen hohen persönlichen Tribut habe zollen müssen. So habe ich meine Familie und meine Freunde in den vergangenen Jahren ganz erheblich vernachlässigt. Dies ist ein Preis, den zu zahlen ich mit Amtsantritt bereit war. Heute, hier und jetzt, möchte ich meinen Eindruck nicht verhehlen, dass der erforderliche hohe persönliche Einsatz und die erfüllende persönliche Zufriedenheit in keinem gesunden Verhältnis mehr stehen.

Sehr geehrter Herr Bürgervorsteher, meine Damen und Herren, nach intensiver Abwägung aller Impulse, Reaktionen und Faktoren habe ich mich entschieden, mich für eine Fortsetzung des Bürgermeisteramts in Henstedt-Ulzburg nicht zu bewerben.

Meine Entscheidung soll Ihnen die Möglichkeit für einen weiteren Anlauf zur Erneuerung geben. Als Gebot der Fairness teile ich Ihnen das Ergebnis meiner reiflichen Überlegungen auch bereits heute mit. Dies eröffnet möglichen weiteren Interessenten, ihren Hut nun doch noch in den Ring zu werfen, ohne gegen den Amtsinhaber antreten zu müssen. Frau Schmidt und allen weiteren – wenngleich noch zu findenden - Kandidatinnen und Kandidaten wünsche ich an dieser Stelle alles Gute und die notwendige Kraft für die nächsten Monate bis zur Wahl – und im Ergebnis die beste Entscheidung für unser schönes Henstedt-Ulzburg.

Meinen Schritt bedaure ich sehr. Insbesondere für die Bürgerinnen und Bürger, die mir bis heute so viel Zuspruch geben. Aufgrund dieser breiten Unterstützung aus unserer Gemeinde hatte ich mich selbstverständlich auch lange auf eine zweite Amtszeit eingestellt. Meine Entscheidung, nicht wieder anzutreten, ist somit auch erst in den letzten Wochen final gereift.

Wie Sie wissen, bin ich als hauptamtlicher Bürgermeister verpflichtet, mich für eine Wiederwahl zur Verfügung zu stellen, sollte die Gemeindevertretung dies verlangen. Nicht verpflichtet bin ich hingegen, eigeninitiativ wieder anzutreten. Zur Verfügung stellen werde ich mich deshalb selbstverständlich. Genauso selbstverständlich werde ich meine Aufgabe in Henstedt-Ulzburg bis zum letzten Arbeitstag mit voller Kraft zum Abschluss bringen. Eine kollegiale, umfängliche Übergabe an meine Nachfolgerin oder meinem Nachfolger sichere ich bereits an dieser Stelle zu.

Meine Damen und Herren, es gibt einen Sinnspruch, der meine Entscheidung treffend beschreibt:
„Man muss seinen Weg gehen – aber auch den Mut haben, seine Richtung zu ändern.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und einen schönen Jahreswechsel.

Vielen Dank!“

Quelle: www.facebook.com/hubuergermeister
Foto: © Stefan Bauer

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