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Henstedt-Ulzburg | Gemeinde Henstedt-Ulzburg

Erklärende Zusätze für Straßenschilder in Henstedt-Ulzburg

Henstedt-Ulzburg (em) Jedes Kind lernt ab einem gewissen Alter, in welcher Straße es wohnt. Aber die wenigsten von ihnen – im Übrigen auch Erwachsene nicht – machen sich über „ihren“ Straßennamen große Gedanken. Zugebenermaßen sind viele Straßennamen ja auch selbsterklärend, wie Dorf-, Schul- oder Hauptstraße.

Andere wiederum erschließen sich nicht auf den ersten Blick, weil sie sich auf alte Flurnamen oder längst in Vergessenheit geratene historische Stätten beziehen. Oder weil sie nach bedeutenden Persönlichkeiten der jeweiligen Zeit benannt wurden, die heute nur noch Wenigen geläufig sind – wie im Falle des Krumpeterwegs auf dem Rhen.

Seit kurzem trägt das Straßenschild Krumpeterweg das Zusatzschild „Emil Krumpeter (1860 – 1932), Henstedter Amtsvorsteher“. Außerdem haben die Straßen Hein-Timm-Weg auf dem Rhen „Hein Timm (1908 – 1985), deutscher Volkssänger“ und Galgenweg in Ulzburg-Süd „benannt nach Richtstätte des Gutes Kaden“ einen erklärenden Zusatz erhalten. Hintergrund ist ein Beschluss des Hauptausschusses, jährlich drei bis fünf Straßennamen mit einer kurzen Erklärung zu versehen.

Bürgermeisterin Ulrike Schmidt begrüßt die Aufarbeitung historischer Straßennamen in Henstedt-Ulzburg: „Straßennamen erzählen viele kleine Geschichten über unseren Heimatort. Die kritische Auseinandersetzung – gerade mit zeitgenössischen Persönlichkeiten – kann sehr spannend sein. Emil Krumpeter ist hierfür ein gutes Beispiel, da er die Geschicke unseres Ortes einerseits maßgeblich geprägt hat, andererseits seine Treue zur Monarchie und Ablehnung der Weimarer Republik aus heutiger Sicht nicht unproblematisch erscheinen mögen.“

Volkmar Zelck, Archivar der Gemeinde Henstedt-Ulzburg hat zum bewegten Leben von Emil Krumpeter geforscht und über den ehemaligen Henstedter Amtsvorsteher, der auch als der „Gründer des Rhen“ bezeichnet wird, Wissenswertes zusammengetragen. Die Informationen zum Krumpeterweg sowie zu den beiden weiteren mit Zusatzschildern versehenen Straßennamen finden Sie unter: www.henstedt-ulzburg.de

Emil Andreas Friedrich Krumpeter wurde 1860 in Fissau/Eutin geboren. Wenige Jahre später erwarben seine Eltern den Hof Stegelkamp in der Götzberger Gemarkung. Der Vater Claus Frahm Krumpeter wurde der erste Amtsvorsteher im neugebildeten Amt Henstedt mit den Gemeinden Götzberg, Henstedt und Wakendorf II. Emil Krumpeter heiratete 1886 die Henstedter Hufner(=Großbauern-)tochter Rebekka Kröger. 1891 übernahm er die väterliche Götzberger Hofstelle.

Spätestens 1897/98 wurde er in Henstedt ansässig und übernahm hier früh Ämter: Er war Mitglied in der Schulkommission und im Kirchenvorstand. Er war Mitgründer der neuen Henstedter Meiereigenossenschaft der Kleinbauern. Nach dem frühen Tod seiner ersten Ehefrau heiratete er Emilie Elisabeth geb. Kiehn aus Fuhlsbüttel, deren Familie durch Landverkauf für das Hamburger Flughafengelände vermögend war. Um 1906 errichtete das Ehepaar Krumpeter neben der Henstedter Kirche ein villenähnliches Wohnhaus im Jugendstil. Dieses Haus wurde zum Amtssitz, denn 1911 wurde Emil Krumpeter zum Henstedter Amtsvorsteher gewählt. In dieser Funktion war er auch Vorstandsmitglied der Verbandssparkasse.

Emil Krumpeter war eine schillernde Persönlichkeit. Er hatte - vor allem auch später während der Inflationsjahre in der Nachkriegszeit - viel Grundbesitz erworben und galt als der reichste Mann der Gegend. Dabei achtete er nicht auf sein Äußeres. Er trug einen ungepflegten Bart, benutzte Bindfäden als Schuhsenkel, und als sein Markenzeichen galt ein alter Strohhut als Kopfbedeckung. Es gibt verschiedene Anekdoten, dass er aufgrund seiner abgerissenen Erscheinung als Vagabund von ortsfremden Polizisten festgehalten wurde. Er war als Anhänger der alten Monarchie ein Gegner der Revolution von 1918 und der neuen Republik; anscheinend nach dem Vorbild der „Orgesch“ (eines republikfeindlichen Selbstschutzverbandes) stellte er eine Henstedter Bürgerwehr auf und ging während des Kapp-Putsches im März 1920 mit Waffengewalt am Ulzburger Bahnhof gegen die neugebildete sozialdemokratische Ulzburger Einwohnerwehr vor. Eine spätere Eingabe der SPD, Krumpeter seines Amtes zu entheben, blieb erfolglos.

Emil und Emilie Krumpeter galten als Wohltäter, die sich z.B. einer aus dem Osten ausgesiedelten Familie annahmen. Für die Kirchengemeinde gab Krumpeter zur Erweiterung des Friedhofs und zur Errichtung des Gefallenendenkmals Land ab. Ende der 1920er Jahre verpachtete er zu einem symbolischen Preis Grundstücke auf dem Rhen an Hamburger Wohnungslose zur Errichtung von einfachen Wohnlauben. Weil er als Amtsvorsteher Baugenehmigungen für die Siedlerbauten ausstellte, kam es zu Auseinandersetzungen mit dem Henstedter Gemeindevorsteher sowie den Kreis- und Provinzialbehörden. 1929/1930 wurde er aus seinem Amt entbunden. Als viele Rhener Siedler nun keine Ansiedlungsgenehmigung mehr erhielten und ihnen die Räumung ihrer Wohnungen angedroht wurde, setzte Krumpeter sich weiter für Siedler ein, indem er formelle Kaufverträge abschloss und Wegekosten übernahm. Er pflegte in den Augen der (Groß-)Bauern keinen standesgemäßen Umgang. Auf einer Sitzung des Rhener Siedlervereins im Gasthaus „Zur Alsterquelle“ bei Gastwirt Wischmann starb er im Januar 1932.

Später wurde nach ihm als „Gründer des Rhen“ eine Straße im Rhener Westen benannt. Auch in Ulzburg wurde eine Straße nach ihm bzw. seiner Witwe benannt, da sie hier preisgünstig Grundstücke für kleine Wohnsiedlungsstellen abgegeben hatten. Emilie Krumpeter stellte während der NS-Zeit zudem das Beckersberggelände der Gemeinde Ulzburg zur Verfügung. Emilie Krumpeter starb 1937. Als mit dem Zusammenschluss von Götzberg, Henstedt und Ulzburg zur Großgemeinde keine Straßennamen doppelt vorhanden sein konnten, wurde 1970 der Krumpeterweg in Ulzburg in „Gartenstraße“ umbenannt.

Galgenweg in Ulzburg-Süd – Hinweise zur Straßenbenennung
Der Galgenweg ist nach der neuzeitlichen Hinrichtungsstätte des Gutes Kaden benannt. Sie befand sich auf einem Grabhügel aus der Bronzezeit, der bis heute erhalten geblieben ist und als archäologisches Denkmal am Milanweg ausgewiesen ist.

Der Grabhügel liegt auf ursprünglich Kadener Gebiet. Der Kadener Gutsherr hatte – wie alle holsteinischen Adelsgüter seit 1525 - die volle Gerichtsbarkeit einschließlich der Halsgerichtsbarkeit (Verhängung der Todesstrafe) über die (leibeigenen) Untertanen. Die Todesstrafen wurden auf dem alten Grabhügel unmittelbar an der Grenze zu Ulzburg vollzogen. Auf einer Karte von 1729 wird der Ort als „Kadener Gericht“ dementsprechend durch einen sogenannten zweischläfrigen Galgen (zwei Pfosten, auf denen ein Querbalken liegt) und ein großes schwarzes Kreuz daneben dargestellt. Noch Anfang des 18. Jahrhunderts wurde dort im Beisein vieler Zuschauer ein letztes Todesurteil vollstreckt - gegen ein 17jähriges Mädchen, das im Kadener Hofgebäude Feuer gelegt hatte.
Die gesamte westliche Hälfte des heutigen Ortsteils Ulzburg-Süd wurde damals nach der Kadener Richtstätte benannt. Auf alten Karten trägt sie die Flurbezeichnung „Heide beim Galgen“.

Um 2000 wurden die Landflächen entlang der Straße Beckershof und am früheren Kadener Weg umgemeindet. Seitdem befindet sich der bronzezeitliche Grabhügel, auf dem diese Grausamkeiten stattfanden, auf nunmehr Henstedt-Ulzburger Gebiet.

Hein Timm
Hein Timm (*1908) war in den Nachkriegsjahren der „Hamburger Volkssänger Nummer eins“: Der beliebte Sänger, Komponist, Entertainer und Buchautor war einem breiten Rundfunk- und Fernsehpublikum durch seine Auftritte bei den Hafenkonzerten und in den NDR-Sendungen „Haifischbar“ und „Aktuelle Schaubude“ bekannt. Seit Beginn der 1960er Jahre wohnte er mit seiner Lebenspartnerin Gundi Hein auf dem Rhen. Er war seiner Wohngemeinde sehr verbunden, wie seine unentgeltlichen Auftritte beim Wohltätigkeitsball des Hausfrauenbundes oder beim Henstedt-Ulzburger Bürgerball zeigen.

1983 erhielt der Wanderweg zur Alsterquelle den Namen „Hein-Timm-Weg“. Diese besondere Ehrung war für ihn mehr wert als seine zwei Goldenen Schallplatten oder die Medaille, die ihm 1980 vom Bundespräsidenten für seine Verdienste um die Volksmusik in Deutschland verliehen worden war [Norderstedter Zeitung vom 12.11.2008]. 1985 starb er nach einem Bühnenauftritt in Norderstedt.

Foto: Christel Stubbe, Vorsitzende des Einwohnerverein Henstedt-Rhen e.V., Bürgermeisterin Ulrike Schmidt und Gemeindearchivar Volkmar Zelck am Straßenschild Krumpeterweg auf dem Rhen, das ein erklärendes Zusatzschild erhalten hat.

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